"Die Print-Zukunft sieht rosig aus"

Ein Gespräch mit Christian Meier vom Grafikmagazin.

Das Grafikmagazin steht für hochwertigen Journalismus und zeigt herausragende Arbeiten aus den Bereichen Grafikdesign, Illustration, Corporate Design, Typografie, Druck und Papier. Das mehrfach preisgekrönte Printmagazin erscheint seit Anfang 2021 sechsmal jährlich. In jeder Ausgabe kommen bis zu vier verschiedene Papiere zum Einsatz. Die Cover werden zudem teils aufwändig veredelt und mit Strukturlack oder Heißfolie versehen. Im Gespräch mit Christian Meier, Herausgeber des Grafikmagazins und Geschäftsführer des Phoenix Verlag für Grafikdesign, sprechen wir über die Relevanz, Nachhaltigkeit und Zukunft von Printprodukten.

Herr Meier, Sie sagen auf Ihrer Website „Im digitalen Zeitalter sind Printprodukte relevanter denn je, wenn sie gut gemacht sind“. Können Sie dies erläutern?

Die Kommunikationslandschaft hat sich entscheidend verändert. Früher hatten Presse und Medien eine Art Informationsmonopol, das durch das Internet endgültig verloren ging. Inzwischen kann ein Jeder Informationen verbreiten und es ist kein Geheimnis, dass dies Medien vor große Herausforderungen stellt, sich im Markt zu behaupten. Neue Wege müssen gefunden werden, um unabhängige Perspektiven zu teilen und herauszustechen. Wir haben uns dafür entschieden, dies in gedruckter Form zu tun. Es ist zwar auf der einen Seite sehr traditionell, aber andererseits in Zeiten des Digital Detox auch wieder sehr modern. Gedruckte dauerhafte Information zwingt uns zur Konzentration und verleiht den Inhalten eine nachhaltige Präsenz im Gegensatz zu digitalen Angeboten. Die Form soll signalisieren, dass wir Inhalte mit Wertschätzung und Relevanz bieten, die sorgfältig aufbereitet sind. Zudem achten wir sehr auf die Ausstattung unseres Magazins: Wir versuchen immer unterschiedliche passende Papiere zu verwenden, zeigen verschiedenartige Veredelungen und probieren neue Sachen aus. Die Leser sollen auf "den ersten Griff" merken, was Sie vom Grafikmagazin erwarten dürfen.

Die erste Ausgabe des Grafikmagazins erschien im Februar 2021 – zu einem Zeitpunkt, in der andere Verlage beschlossen haben, ihr Digitalisierungsangebot zu verstärken. Wie kam es dazu?

Das Team des Grafikmagazins hat ja lange Jahre das bekannte Designmagazin „novum“ produziert und somit wussten wir, dass ein solches Magazin funktionieren kann und einen Markt anspricht. Außerdem gab es in den letzten Jahren zahlreiche Innovationen im Papierbereich und in der Drucktechnik und somit eine Notwendigkeit einer Publikation, die dies zeigt. Auch für jüngere Generationen von Kreativen und Werbeschaffenden.

Was sind das für Unterschiede und Vorteile gegenüber digitalen Pendants?

Digitale Formate fördern in gewisser Weise natürlich sich selbst um die eigene Erscheinungsform zu rechtfertigen. Erfolg wird durch Klickraten und Engagement erzielt. Dies erfordert natürlich eine andere Machart als gedruckte Texte. Unsere Inhalte werden von einer erfahrenen Redaktion kuratiert und setzen auf Langlebigkeit und Tiefe. Außerdem sind wir ein unabhängiges Presseorgan und legen hierauf besonderen Wert. Dies alles fördert die Publikation auf Papier. In Schweden wurde beispielsweise nach einer digitalen Umstellung wieder auf gedruckte Schulbücher zurückgegriffen. Das zeigt, dass eine Informationsweitergabe im digitalen Bereich nicht das Nonplusultra ist, sondern dass es durchaus andere, sogar bessere und nachhaltigere Methoden der Informationsweitergabe gibt. Unsere Haltung bedeutet jedoch nicht, dass wir gegen digitale Formate sind. Auch wir versuchen unser Portfolio digital abzurunden. Aber im Zentrum steht immer die Produktion eines Printmagazins.

Spielt auch das Thema Sinnlichkeit eine Rolle für diesen Weg?

Die Tatsache, dass der Mensch fünf Sinne besitzt, macht den Aspekt der Sinnlichkeit unverzichtbar. Hierbei bedient Print insbesondere der Haptik in einem weit höheren Maße als digitale Alternativen. Ich möchte dabei nicht verschweigen, dass es auch gewisse Herausforderungen gibt, denn die Herstellung eines Magazins ist naturgemäß aufwendiger. Es erfordert Menschen, die bereit sind, für ein hochwertiges und sinnliches Erlebnis zu zahlen. Es ist aus meiner Sicht allerdings viel wertvoller, sich hinzusetzen, ein Grafikmagazin in die Hand zu nehmen und sich für den nächsten Auftrag inspirieren zu lassen, als im Internet zu recherchieren.

Wie berücksichtigt das Grafikmagazin die Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit?

Wir streben sehr danach, unser Heft so zu gestalten, dass es nicht weggeworfen wird. Langlebigkeit ist ein wichtiger Aspekt für unsere Nachhaltigkeitsbemühungen: Wenn wir etwas produzieren, das langlebig ist und lange relevant bleibt, dann ist es in gewisser Weise auch nachhaltig. Darüber hinaus arbeiten wir mit F&W Medien zusammen, einer Druckerei die Blauer-Engel-zertifiziert ist und sich sehr für umweltschonendes Drucken einsetzt.

Und in Bezug auf Umweltbelastungen beispielsweise durch die Papierproduktion?

Unsere Zielgruppen legen oft großen Wert auf Nachhaltigkeit und haben ebenfalls entsprechende Anforderungen von Ihren Kunden. Daher bemühen wir uns, Papiersorten und Projekte vorzustellen, die inspirieren und umweltfreundliche Ansätze aufzeigen. Uns ist wichtig, unsere Leser dazu zu ermutigen, ähnliche nachhaltige Ansätze zu verfolgen.

"Wir würden unser Magazin nicht betreiben, wenn wir nicht überzeugt wären, dass es eine sehr gute Perspektive hat."

Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Wie sehen Sie die Zukunft von Printmedien allgemein und insbesondere vom Grafikmagazin?

Ich halte die Zukunft von Print-Kommunikation für eine sehr rosige Zukunft. Wir stehen nicht vor einer Zeitwende, sondern stecken mittendrin. Die Bedeutung von den heute omnipräsententen Websites und Social Media wird in meinen Augen abnehmen und Unternehmen und gesellschaftliche Akteure werden neue Wege finden müssen, um Menschen erfolgreich anzusprechen. Hier wird früher oder später auch das Thema Print wieder ins Gespräch kommen. Print-Mailings, Kataloge und, wie ich hoffe, natürlich auch Zeitschriften und Zeitungen werden wieder zu einer interessanten Kommunikationsplattform für alle werden. Ich bin davon überzeugt, dass die erwartbare Renaissance der sogenannten alten Medien auf längere Sicht auch unsere Gesellschaft stärken wird. Hier sind natürlich alle gefragt. Auch bei der Unterstützung von unabhängigen Medien wie das Grafikmagazin. Wir glauben an diese Zukunft und würden unser Magazin nicht betreiben, wenn wir nicht überzeugt wären, dass es eine sehr gute Perspektive hat.  

Spielt in dieser Renaissance auch die rasante Entwicklung von KI-Tools eine Rolle?

Die Transformationen durch Künstliche Intelligenz (KI) werden die Arbeitsweise grundlegend verändern, insbesondere in Bezug auf ausführende Tätigkeiten, bei denen wahrscheinlich weniger Geld eingesetzt wird. Printmedien werden vermehrt mit KI-generierten Texten konfrontiert sein. Doch genau hier liegt die Chance, da Zukunftsforscher darin übereinstimmen, dass Menschen verstärkt nach professionellen und vertrauenswürdigen Informationsquellen suchen werden. Wir verfügen über Journalisten, die kreativ denken, innovative Ansätze verfolgen und entscheidende Argumente und Artikel liefern. Auf diese Weise unterscheiden sie sich grundlegend von dem, was KI zu bieten hat.