Preissteigerungen und lange Lieferzeiten – die Hintergründe

Hamburg, Februar 2022

Seit dem vergangenen Herbst haben wir mehrmals die Abgabepreise anpassen müssen. Hinzu kommen lange Lieferzeiten in allen Bereichen. Hier beleuchten wir die komplexen Ursachen dieser angespannten Lage – und blicken auf die kommenden Monate.

Energiepreise

Die Entwicklung der Verkaufspreise im gesamten Papier- und Verpackungsmarkt ist derzeit in erster Linie einem Umstand geschuldet: den drastisch gestiegenen Energiepreisen. Derzeit müssen die Hersteller für Strom ebenso wie für Gas zwischen etwa 300 und 400 Prozent mehr aufwenden als vor einem Jahr. Das betrifft zwar alle Industriesegmente. Aber längst nicht alle sind so energieintensiv wie jenes unserer Zulieferer. Diese deutliche Mehrbelastung geben die Hersteller seit dem vorigen Spätsommer an den Handel weiter – in immer wieder neuen Runden. Unvermeidliche Folge waren und sind, ebenfalls schrittweise, angepasste Verkaufspreise in allen Sortimentsbereichen.

Reduziertes Angebot

Die Energiepreise sind der deutlichste Preistreiber, jedoch bei Weitem nicht der einzige. Ein weiterer, der zugleich massiv die Lieferzeiten beeinflusst, ist das reduzierte Angebot, bei tendenziell steigender Nachfrage. Noch im Herbst 2021 lag die Knappheit maßgeblich daran, dass die Hersteller ihre Produktion zu Beginn der Pandemie gedrosselt hatten – und sie später nicht der anziehenden Nachfrage entsprechend wieder ausbauen konnten. Die Folge bis heute: In allen Bereichen übertrifft die Nachfrage das Angebot deutlich. Weiter verschärft wurde dies zumindest zeitweise dadurch, dass viele Abnehmer sicherheitshalber – und durchaus nachvollziehbar – erhebliche Mengen auf Vorrat orderten.

Umrüstung von Produktionsanlagen

Inzwischen spielt die pandemiebedingt gedrosselte Produktion zwar keine Rolle mehr. Dafür macht sich nun gerade bei den grafischen Papieren umso stärker ein langfristiger Trend bemerkbar, den Corona lediglich verstärkt hat: Viele – und insbesondere große – Hersteller haben Produktionsanlagen von Papier auf Wellpappe umgerüstet. Befeuert wird diese Verlagerung durch den anhaltend boomenden E-Commerce mit seinem stetig wachsenden Bedarf an Verpackungsmaterial.

Wie sich das im „Papierland“ Deutschland auswirkt, beleuchten Zahlen des Statistischen Bundesamts vom November 2021. Demnach sank die produzierte Menge an Druck-, Schreib- und Kopierpapier im Laufe eines Jahrzehnts um nahezu ein Drittel. In der Tat ist in diesem Zeitraum der Bedarf an Papier gerade für Presseprodukte zurückgegangen. Und dennoch: Im noch jungen Jahr 2022 verlangt der Markt nach weitaus größeren Mengen an grafischen Papieren, als sie die Hersteller derzeit produzieren.

Streik in Finnland

Ein weiterer Umstand, der zur Angebotsverknappung in allen Bereichen beiträgt, war bis kurz vor Jahresende 2021 dagegen noch nicht absehbar: Seit Anfang Januar wird ein international bedeutender Papier- und Zellstoffhersteller in Finnland bestreikt. Ein Ende des Streiks war zuletzt für Mitte März in Aussicht gestellt worden. Doch unabhängig vom Streikende-Datum wird sich diese schon jetzt wochenlange Unterbrechung der Produktion noch über etliche weitere Wochen belastend auswirken: auf die Liefertermine für Bestellungen, die während des Streiks getätigt wurden.

Reduzierte Frachtkapazitäten

Seit dem Vorjahr ungebrochen Wirkung zeigen die weltweit reduzierten Frachtkapazitäten – auf die Preise ebenso wie auf die Lieferzeiten. So ist insbesondere die Verfügbarkeit von Seefrachtcontainern in vielen wichtigen Häfen weiter mangelhaft. Entsprechend hohe Frachtraten rufen die Reedereien auf. In Europa kommt eine angespannte Lage im Straßengüterverkehr hinzu, hervorgerufen nicht zuletzt durch den immer deutlicher zutage tretenden Mangel an Lkw-Fahrern.

Verlagerung von Druckbedarfen

Die hohen Transportkosten – bei zugleich reduzierten Transportkapazitäten – haben eine weitere Auswirkung: Ehemals ins Ausland verlagerte Druckbedarfe, zum Beispiel für Schulhefte und Bücher, werden zunehmend zurück nach Zentraleuropa verlagert und lokal gedruckt. Dieser Trend forciert die hiesige Papiernachfrage zusätzlich. Und noch eine weitere Ursache gibt es: Die Preise für Zellstoff, Chemikalien sowie Recycling- und Verpackungsmaterialien sind stark gestiegen, teils um bis zu 170 Prozent.

Preise auf Rekordhoch

Die Kombination all dieser Ursachen hat dazu geführt, dass sich die Verkaufspreise für Papier und Verpackungen – über viele Jahre vergleichsweise preisgünstige, schnell lieferbare Güter – auf einem Rekordhoch befinden. Und trotz aller Unsicherheit der Prognosen: Mindestens bis zum Ende des ersten Halbjahres 2022 ist keine Entspannung zu erwarten. Viel wahrscheinlicher sind weitere Preissteigerungen.

Lieferzeiten

Ein nahezu identisches Bild ergibt sich mit Blick auf die Lieferzeiten. So sollten Kunden etwa für Streckenbestellungen von Bilderdruckpapier derzeit drei Monate und mehr einkalkulieren – anstatt der zuvor üblichen rund zwei bis vier Wochen selbst für große Mengen und Sonderformate. Auch bei den Faltschachtelkartons gelten drei Monate als Minimum, und Lieferzeiten von bis zu einem halben Jahr sind nicht auszuschließen. Als Folge der Engpässe auf der Strecke wird mehr aus den Lägern bestellt, sodass dort die Bestände und damit auch die Verfügbarkeit ebenfalls abnehmen.

Was wir tun

Im Dialog mit unseren Kunden versuchen wir in diesen unsicheren Zeiten bestmögliche Stabilität zu bieten. Deshalb stehen wir in intensivem Dialog mit den Herstellern. Volle Versorgungssicherheit können wir angesichts der aktuellen Lage nicht garantieren, aber wir optimieren ständig unsere Abläufe. Zum Beispiel dahingehend, unsere Lagerbestände mindestens konstant zu halten und tendenziell auszubauen. All das hat zum Ziel, weitere Belastungen und Verzögerungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten.

Und was sich von selbst versteht: Bei Fragen und Anregungen haben unsere Vertriebsteams jederzeit ein offenes Ohr.